War­um Mur­mel­tie­re auf der Alp frü­her fast so will­kom­men waren wie das Vieh oder wel­che Aus­wir­kun­gen die Digi­ta­li­sie­rung auf einen Bau­ern­be­trieb hat: Die Kul­tur­zeit­schrift «Davo­ser Revue» beleuch­tet in ihrer Som­mer­aus­ga­be das The­ma «Land­wirt­schaft» auf viel­fäl­ti­ge Weise.

«Heu­et» auf Davos Cla­va­del, um 1930 (Foto: Doku­men­ta­ti­ons­bi­blio­thek Davos)

Begeg­net man auf einer Davo­ser Wei­de einem weib­li­chen Haus­rind nach der ers­ten Kal­bung, so ist das nicht bloss eine Kuh, son­dern bei­spiels­wei­se eine «Tag­sa», ein dach­s­far­be­nes Tier. Ist die Kuh hin­ge­gen röt­lich gefärbt, han­delt es sich um eine «Rema». Wenn die Rot­fär­bung noch deut­li­cher ist, so steht man vor einem «Rötsch». Was wie­der­um ein «Schüm­mal» oder eine «Tog­ga» ist, zeigt die Davo­ser Revue in ihrer jüngs­ten Aus­ga­be zum The­ma Land­wirt­schaft auf. Das alte Wal­ser­deutsch in sei­ner Davo­ser Aus­prä­gung wird in der Zeit­schrift auch in Kon­trast gesetzt zu Begrif­fen, wie sie wäh­rend der gros­sen Kur­zeit in Davos auf­tauch­ten: etwa der «Hygie­ne» und der «Kur­milch». Denn auf­grund der Tuber­ku­lo­se­ku­ren wan­del­te sich Davos im 19. Jahr­hun­dert von einem Berg­bau­ern­dorf zu einer Sana­to­ri­ums­stadt, was auch gra­vie­ren­de Aus­wir­kun­gen auf die Land­wirt­schaft hat­te. Da die Kuren mit einem gros­sen Kon­sum von Milch ein­her­gin­gen, stell­ten zahl­rei­che Bau­ern von Vieh­zucht auf Milch­wirt­schaft um. Selbst die Lak­ta­ti­ons­zeit der Kühe wur­de auf die Milch-Nach­fra­ge in der Sana­to­ri­ums­stadt abgestimmt.

Murmeltierfleisch von der Alp

Die «Davo­ser Revue» zeigt aber auch auf, dass die Land­wirt­schaft in Davos nicht über Jahr­hun­der­te gleich­för­mig ver­lief. Der som­mer­li­che Wech­sel vom Heim­be­trieb auf die Alp, das Aus­füt­tern wäh­rend des Herbst oder der Heu­trans­port wäh­rend des Win­ters beding­te eine gros­se Mobi­li­tät. Auf den Alpen wur­den zudem nicht nur Kühe oder Pfer­de gehal­ten, einen gros­sen Stel­len­wert kam auch den Mur­mel­tie­ren zu. Wer etwa soge­nann­te Kuh­rech­te auf der Davo­ser Leid­bach­alp besass, durf­te auf die­ser Mur­mel­tie­re aus­gra­ben – und sie für einen Bra­ten oder ein Schmor­ge­richt verwenden.

Der Weid- und Mur­men­den­brief von der Leid­bach­alp, Davos, 1557 (Foto: Doku­men­ta­ti­ons­bi­blio­thek Davos)

Wie es heu­te um die Land­wirt­schaft steht, erör­tert die «Davo­ser Revue» in einem Gespräch mit Andre­as Michel, Fach­leh­rer für Milch­wirt­schaft und Klein­vieh an der land­wirt­schaft­li­chen Aus­bil­dungs­stät­te Plan­tahof in Land­quart. Der eins­ti­ge Geiss­hirt aus Davos Mons­tein ist über­zeugt, dass die Digi­ta­li­sie­rung in den nächs­ten Jah­ren gros­se Aus­wir­kun­gen auf die Land­wirt­schaft haben wird. In wei­te­ren Bei­trä­gen por­trä­tiert die «Davo­ser Revue» einen älte­ren Bau­ern, der aus Mit­leid mit den noch unge­bo­re­nen Küken kei­ne Eier mehr ist, und einen Bio­be­trieb in Davos Wiesen.

Wo die Kuh­milch als Kur­milch erhält­lich ist: All­ge­mei­ne Kon­troll­mol­ke­rei Davos, ca. 1911 (Foto: Doku­men­ta­ti­ons­bi­blio­thek Davos)

Im Herbst wid­met sich die seit 1925 erschei­nen­de «Davo­ser Revue» der Hotel­le­rie. Die Zeit­schrift erscheint vier­tel­jäh­rig und wid­met sich jeweils auf 64 Sei­ten einem bestimm­ten, für Davos und das Leben glei­cher­mas­sen wich­ti­gen Thema.