Das Bahn­mu­se­um Albu­la in Ber­gün bewegt sich «neben der Spur». So heisst die neue Son­der­aus­stel­lung des Muse­ums, in der Visio­nä­res und Ver­lo­re­nes, Abge­fah­re­nes und Abge­le­ge­nes sowie Win­ter­li­ches und Tie­ri­sches gezeigt wer­den.

Segel­schif­fe aus Wien glei­ten durch das Enga­din und Ber­gell Rich­tung Comer­see. Dort tref­fen sie auf Last­käh­ne, die von Rot­ter­dam her durch ein gigan­ti­sches Röh­ren- und Schleu­sen­sys­tem am Splü­gen­pass in den Comer­see gelan­gen und wei­ter nach Genua fah­ren.

Tönt skur­ril? Der Malo­ja-Inn-Kanal und der Schiff­fahrts­weg über den Splü­gen­pass sind nur zwei von vie­len visio­nä­ren Pro­jek­ten, die in einer Son­der­aus­stel­lung des Bahn­mu­se­ums Albu­la vor­ge­stellt wer­den. Anhand von ori­gi­na­len Plä­nen wer­den auch die Grei­na­bahn, die Tödi­bahn, die Sca­let­ta­bahn oder die Enga­din-Ori­ent-Bahn erläu­tert. Man­che die­ser his­to­ri­schen Pro­jek­te erschei­nen aus heu­ti­ger Sicht finan­zi­ell oder tech­nisch kaum rea­li­sier­bar. Genau dar­um bil­den sie den pas­sen­den Auf­takt zur Son­der­aus­stel­lung mit dem Titel «Neben der Spur – von skur­ri­len Bahn­ge­schich­ten».

Was im Zug ver­lo­ren wird …

Von visio­nä­ren Pro­jek­ten führt die Aus­stel­lung wei­ter zu dem, was auf den heu­ti­gen Bünd­ner Bahn­li­ni­en alles ver­lo­ren oder ver­ges­sen wird. Sechs bis sie­ben Gegen­stän­de blei­ben täg­lich in Abtei­len oder auf Bahn­stei­gen lie­gen. Meist han­delt es sich um Mobil­te­le­fo­ne, um Ruck­sä­cke oder um Jacken. Zu sehen sind im Bahn­mu­se­um Albu­la ab April aber auch skur­ri­le Gegen­stän­de, die zei­gen, dass Bahn­rei­sen­de manch­mal ziem­lich «neben der Spur» sein kön­nen. Ver­lo­ren und ver­ges­sen wur­den in Zügen etwa schon Pro­the­sen, Spiel­geld oder eine Trai­nings­ma­schi­nen für die Hand­mus­ku­la­tur.

Schie­nen­ve­lo vor Palüg­let­scher (Gemäl­de von Anton Hansch, 1855)

Von Ver­lo­re­nem führt die Son­der­aus­stel­lung wei­ter zu Abge­fah­re­nem und Abge­le­ge­nem. Doku­men­tiert wird etwa, wie einst soge­nann­te Schie­nen­ve­los für nächt­li­che Ab- und Aus­fahr­ten genutzt wur­den, oder wes­halb es im Müns­ter­tal zwar eine Art Bahn­hof-Hotel gibt, aber kei­ne Zug­stre­cken.

und war­um Eis­blö­cke im Zug trans­por­tiert wur­den

Mit­ten in der Son­der­aus­stel­lung fin­det sich auch ein gros­ser Minen­wer­fer der Schwei­zer Armee. Mit die­sem Geschütz lös­te man frü­her etwa am Ber­ni­n­a­pass künst­lich Lawi­nen aus. Wie das vor sich ging, zeigt das Bahn­mu­se­um Albu­la auch anhand von his­to­ri­schen Film­se­quen­zen.

His­to­ri­scher Minen­wer­fer der Schwei­zer Armee, ein­ge­setzt zur Lawi­nen­spren­gung)

Zum The­ma «Win­ter­li­ches» gehört zudem die Eis­ge­win­nung am Davo­ser See: Als es noch kei­ne Kühl­schrän­ke gab, wur­de das Eis von Davos ton­nen­wei­se per Bahn zu Restau­rants in der gan­zen Schweiz oder nach Frank­reich trans­por­tiert.

Nebst Eis­blö­cken reis­ten auch schon ver­schie­de­ne Tie­re in den Wagen der Rhä­ti­schen Bahn. So fuh­ren etwa Kühe aus der gan­zen Schweiz per Bahn­wa­gen Rich­tung Alp­wei­de. Auch Lamas oder ein klei­ner Puma, so erin­nern sich Bahn­mit­ar­bei­ten­de, wur­den schon mit der Rhä­ti­schen Bahn trans­por­tiert.

Tie­ri­sches: Kuh­trans­port der Rhä­ti­schen Bahn, Kreuz­ot­ter am Bahn­gleis (in Vitri­ne)
Phan­tas­ti­sches: «merk- und denk­wür­di­ge Fort­be­we­gungs­mit­tel» von Albi Brun, Chur.

Wort­wert durf­te das Kon­zept und die Inhal­te für die Son­der­aus­stel­lung erar­bei­ten, die Ein­rich­tung nahm das Dis­play Team vor.

www.bahnmuseum-albula.ch